Ein oft diskutiertes Thema . . .
Tai Chi zur Selbstverteidigung?

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Kann Tai Chi auch zur Selbstverteidigung genutzt werden?
Das ist ein oft diskutiertes Thema. Viele meinen heutzutage, dass sich die heutigen gelehrten Tai Chi Stile nicht mehr zur Selbstverteidigung eignen.
Sie seien zu verwaschen, zu sanft und nur noch auf Meditation und Gesundheitsübungen fokussiert.
Ja, das mag auf den ersten Blick richtig sein.
Aber . . . -
Tai Chi war im Ursprung eine Kampfkunst!
Diese Tatsache vergessen heutzutage viele bzw. wissen es nicht einmal.
Im Ursprung war Tai Chi eine Kampfkunst!
Daraus ist Tai Chi einmal entstanden. Bauern und einfache Menschen in China haben es den Erzählungen nach von den Shaolin Mönchen im Wudang-Gebirge gelernt. Das ist aber eine andere Geschichte, auf die ich später mal zurück komme.
Achtung!
Nachfolgend erläutere ich Dir einige Dinge, warum Tai Chi sich durchaus zur Selbstverteidigung eignet, aber vorher möchte ich Dir etwas mit auf den Weg geben:
Lass Dich nicht auf unnötige Kämpfe und Konflikte ein.
Geh Konfrontationen nach Möglichkeit aus dem Weg.
Wenn Du bedrängt oder belästigt wirst, will Dein Gegenüber Dir in der Regel etwas wegnehmen oder will Dir schaden.
Selbst wenn Du andere Selbstverteidigungstechniken oder Kampfsport beherrscht, wird Dein Gegenüber sich nicht an sportliche oder faire Abläufe halten. Dein Angreifer ist auf Ärger aus…meist mit allen Mitteln.
Wenn Du noch weg gehen kannst, mach es! Zieh Dich zurück. Teile mit, dass Du keinen Konflikt möchtest…Geh!
Jeder nicht geführte Kampf ist ein gewonnener Kampf!
Taugt Tai Chi denn nun zur Selbstverteidigung?
Von mir aus gibt es auf diese Frage ein klares JA!
Damit widerspreche ich zwar sogar meinem Tai Chi Lehrer, aber ich bin überzeugt davon.
Ich habe vor vielen Jahren als junger Mensch Kung Fu erlernt. Als ich dann viele weitere Jahre später mit Tai Chi anfing, kamen mir sehr viele Bewegungen und Bewegungsabläufe bekannt vor.
Das ist nicht verwunderlich, da Tai Chi genau genommen eine Kung Fu Form ist und beide Kampfkünste den gleichen Ursprung haben.
Daher bin ich der Meinung, dass, was Du im Tai Chi lernst, sehr gut zur Selbstverteidigung geeignet ist.
In praktisch jeder längeren Tai Chi Form sind Kampfkunst-Elemente weiterhin enthalten.
Ich möchte hier aber erst einmal nur auf den Yang-Stil (Lange Form) zurückgreifen.
In dieser Form sind, wenn auch abgeschwächt, alle ursprünglichen Kampfkunst-Elemente enthalten.
Seien es sanfte Stöße (Peng) oder Tritte. Es ist alles vorhanden!
Was leider viele vergessen oder nicht wissen/bedenken:
Du lernst Tai Chi…
Die ganzen Figuren und die Form. Du machst alles nahezu in Zeitlupe…
Immer wieder und wieder…
Bis Du die Figuren und Form beherrschst.
Das macht etwas mit Deinem Körper und Deinem Geist. Natürlich nicht als Anfänger…das trifft aber auf alles zu.
Aber wenn Du eine gewisse Zeit Tai Chi praktizierst, baut Dein Körper wesentliche Dinge auf:
Leistung und Präzision!
Durch das üben der Bewegungen im langsamen Tempo wie im Tai Chi in der Regel üblich, baust Du unglaubliche Power und Kraft auf. Ebenso wirst Du in der Ausführung von Mal zu Mal präziser.
Die Techniken zur Selbstverteidigung hast Du gelernt!
Auch hier noch einmal ein Hinweis:
Auch wenn Du angegriffen wirst und keine andere Wahl hast, Flucht oder Deeskalation nicht möglich ist, beachte, dass Du mit jeder Gegenwehr Deinen Gegner ggf. schwer verletzen kannst.
Gerade in Deutschland gibt es im Gesetz bzw. der Rechtsprechung das Thema der „Verhältnismäßigkeit“.
Selbst wenn klar ist, dass der Gegner Dich zuerst angegriffen hat und Du Dich wehrst. Vor Gericht könnte im Zweifelsfall Tai Chi als Kampfsport/Kampfkunst klar gewertet werden und damit könnte Deine Gegenwehr im Zweifelsfall als Unverhältnismäßig eingestuft werden.
Natürlich: Notwehr ist Notwehr.
Ich möchte nur, dass Du nachdenkst!
Beispiele im Tai Chi (und das hast Du gelernt bzw. lernst es gerade):
Der Stich mit der flachen Hand (Zur Kehle des Gegners). Wenn Du länger schon trainierst, hat Dein Stoß eine gewisse Kraft. Mit Deiner Präzision wirst Du die Kehle des Gegners treffen. Im Zweifelsfall mit fatalen Folgen für Dein Gegenüber.
Der tiefe Fauststoß:
Dieser Fauststoß zielt gegen die kurze Rippe, also den letzten unteren „losen“ Rippen. Ein Treffer dort ist nicht nur äußerst schmerzhaft, sondern kann diese Rippen mit Leichtigkeit brechen.
Tritte (und die müssen/sollen nicht hoch sein). Die lernst Du sehr gut auszuführen. Tritt in die Weichteile (Genitalien) Deines Gegners und Du schaltest Ihn aus.
Peitsche (OK, das ist schon anspruchsvoller). Stell Dir die Bewegung „Peitsche“ in der Form etwas dynamischer vor. Diese Bewegung schneller ausgeführt und mit dem Ziel auf das Gesicht/Schläfe des Gegners. Es ist ein sehr schmerzhafter Vorgang für Deinen Gegner.
Diese Dinge könnte ich noch vielfach fortführen.
Bedenke bei allem aber Eines: Verzichte auf „kinoreife Akrobatik“! Keine hohen Kicks, keine wilden Verrenkungen oder Figürchen. Konzentriere Dich auf die Basic´s. Kurz, knapp und präzise.
Damit und nur damit erzielst Du maximale Wirkung.
Viel wichtiger aber: Prävention!
All die Dinge, die ich oben erläutert und beschrieben habe, werden Dir sicher helfen. Aber es gibt etwas, dass viel Wichtiger ist und auch oft vergessen, ein wesentlicher Nebeneffekt des Tai Chi Trainings ist.
Dein Auftreten und Deine Körpersprache.
Das verstehst Du nicht?
Lass es Dir erläutern.
Nicht nur im Tai Chi, sondern bei Menschen, die grundsätzlich sportlich bzw. aktiv sind, haben Studien gezeigt, dass diese Personen mehr Kraft und Stärke ausstrahlen.
Du lernst, aufrecht zu stehen und zu gehen. Lotrecht ist oft das Thema und bedeutet nichts anderes als „mit gehobenen Haupt“. Das strahlt grundsätzlich Stärke aus. Du bist nicht die devote kleine „Duckmaus“, die eingeschüchtert durch die Straßen schleicht. Nein, Du gehst aufrecht.
Warum das ein wesentlicher Punkt ist, auch beim Thema Selbstverteidigung. Es kommt erst gar nicht zur Situation, dass Du Dich verteidigen musst.
Personen, welche Dir Böses wollen, egal ob die Dich überfallen wollen oder Schlimmeres, oder ob die nur Streit suchen. Dieses Klientel beherrscht das Lesen von Körpersprache. Ein gern genommenes Opfer ist die typische „Duckmaus“. Devote, schüchterne Haltung, gesenkter Kopf, unsicheres Auftreten. Das optimale Opfer!
Bewegst Du Dich aber Aufrecht, bestimmt und mit gehobenem Haupt, signalisiert das den potentiellen Tätern: Achtung! Mit mir nicht bzw. mit mir hast Du kein leichtes Spiel. Das schreckt Täter oftmals bereits ab, überhaupt einen Versuch zu unternehmen.
Wenn es doch droht zu eskalieren, bleibe ruhig und besonnen. Beobachte…plane im Kopf schon Deinen nächsten Schritt. Dein Gegenüber wird es wahrnehmen und nun ggf. von seinen Plänen ablassen.
Wenn nicht…dann siehe oben. Bestimmt, konsequent und mit voller Härte…aber mit Ruhe, Präzision und Power.
Glaube mir, es wirkt!
Schau Dir die nachfolgenden Bilder einmal an (KI-generiert!).
Sie sollen Dir nur verdeutlichen, was ich mit „Körpersprache“ meine.
Gleiche Situation, gleiche Gegend, gleiche Person.
Aber zwei ganz unterschiedliche Körpersprachen.
Böse Menschen, die ein Opfer suchen, können diese Körpersprache lesen!

Auf dem Bild siehst Du das klassische Opfer. Schüchterne, zurückhaltende und ängstliche Körperhaltung.
Ein gefundenes Fressen für die üblichen potentiellen Täter.

Auf diesem Bild siehst Du die gleiche Person, aber mit gehobenem Haupt, ernstem Blick und einer gewissen Körperspannung.
Es signalisiert einem potentiellen Angreifer/Täter:
Mit mir nicht! Mit mir hast Du es nicht leicht.
Das schreckt Angreifer/Täter in der Regel ab.
Die wollen ein leichtes Spiel. Mit Dir aber nicht zu haben.
Das macht den Unterschied!
Lerne Tai Chi!
Es kann auch in solchen Situationen den Unterschied machen . . .
Tai Chi macht Dich stark und selbstbewusst.
Aber immer mit der gewissen Portion Ruhe und Ausgeglichenheit.
Sei kein Opfer!