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Was ist Tai Chi ?

Kampfsport oder Kampfkunst

  • Kampfsport ist…

    Kampfsport ist immer ein „Messen“ mit Anderen. Es muss immer einen Sieger geben. Schneller, besser, stärker…
    Man muss gewinnen, sich beweisen…
    Alles ist grundsätzlich auf Kampf ausgelegt. Kämpfen müssen, wollen…
    Andere beherrschen, unterwerfen… Eben immer: Siegen können, wollen, müssen.

  • Kampfkunst ist…

    Kampfkunst ist immer ein Können, nicht ein Müssen.
    Es geht nicht um das Siegen. Es geht um das sich zur Wehr setzen können.
    Natürlich gibt es bei den Kampfkünsten auch Wettbewerbe. Aber es geht nicht primär um den eigentlichen Sieg. Kampfkunst kann man eher als passiv bezeichnen.
    Da der Sieg-Gedanke so nicht existiert, konzentriert sich Kampfkunst meist auch auf andere Ziele. Gesundheit, Beweglichkeit, Geschicklichkeit.

Wo ist da dann Tai Chi einzuordnen?

Tai Chi ist ursprünglich (nicht die heutigen gymnastik- und gesundheitsorientierten Varianten) eine Kampfkunst.
Dabei gilt Tai Chi zudem zu den „inneren Kampfkünsten“, also die in sich gekehrten, zurückhaltenden, passiven und rein defensiven Künsten.
In der Tiefe geht es bei Tai Chi um Verteidigung, nie um Angriff. Die Begrifflichkeit „siegen wollen oder müssen“ existiert hier nicht.
Soll sich mein Angreifer doch verausgaben…
Im Tai Chi verteidige ich mich und das mit möglichst geringem Aufwand.

Natürlich gibt es im Tai Chi auch Angriffstechniken wie Tritte und Schläge. Diese dienen bzw. dienten im ursprünglichen Tai Chi aber eher zu einer Art „eine Lektion erteilen“. Wenn der Angreifer partout nicht aufhört und nicht einsieht, dass er bei mir keine Chance hat, erteile ich ihm eine Lektion mit Tritten oder Schlägen.   Das ist natürlich nur ganz grob umschrieben.

Vielleicht kann man den Unterschied bei Kampfsport und Kampfkunst mal an den Extremen aufzeigen.
Vergleiche mal Tai Chi mit einem MMA-Käfigkampf (diese mittlerweile sehr populären Prügel-Exzesse in einem Oktagon).
Im Tai Chi verteidige ich mich nur mit Ausweichen, hebeln, schubsen, vielleicht mal hier und da einen Tritt oder Schlag. Immer mit minimalem Aufwand bzw. unter Einbeziehung der Energie des Gegners. Das alles mit sehr filigranen, fließenden Bewegungen.

Beim MMA? So feste und stark schlagen, treten, würgen bis der Gegner am Boden liegt. Am besten mit einem klaren KO.

Das ist eben der sehr große Unterschied. Ich als Tai Chi Praktizierender will Dich eigentlich nicht verletzen. Ich zeige Dir mit meinen erlernten Künsten nur „lass mich in Ruhe, ich will keinen Konflikt…“.
Natürlich, wenn Du nicht aufhörst und eskalierst, dann wird meine Verteidigung auch eskalieren. So lange, bis Du von mir ablässt! Nicht bis Du „besiegt“ bist.

DAS ist der große Unterschied zwischen Kampfsport und Kampfkunst. Es geht eben nicht um Siegen und Besiegen.


Auch beim Thema Kampfsport vs. Kampfkunst erinnere Dich an Yin&Yang…

Ein Sieg ist kein Ziel!
In einem Konflikt reicht es wenn es einen Ausgleich gibt.  Wenn der Angreifer merkt und einsieht, dass er nicht gewinnen kann und der Verteidiger nicht gewinnen möchte, stellt sich eine gewisse Form von Harmonie ein.
Das ist Yin&Yang 
Das ist Tai Chi!